Konzept für eine Arbeitsgemeinschaft zur Förderung privater PKW-Fahrgemeinschaften (Entwurf)

[evtl. im Rahmen einer „Allianz zusammen fahren“, „AG Mitfahren“, „AG nachhaltig mobil“ oder ähnlich]

A. ZUR EINORDNUNG VORAB: „TUN WAS MAN KANN“
Neben mittel- und längerfristig angelegten Aktivitäten in Richtung einer nachhaltigen Mobilität kommt es aktuell darauf an, besonders solche Ansätze zu forcieren, die bei eher geringem Aufwand relativ kurzfristig konkrete positive Ergebnisse in den Bereichen Verkehrsvermeidung, Luftreinhaltung und Klimaschutz zu erzielen helfen.

VORGESCHICHTE UND MOTIVATION
Zwischen 2007 und 2010 stieg in Deutschland die Anzahl an regional und bundesweit nutzbaren Vermittlungsangeboten für private Fahrgemeinschaften kontinuierlich auf über 80 an. Kontraproduktives Ergebnis war ein immer unübersichtlicher werdendes Geflecht unterschiedlicher, sich räumlich überlappender, jedoch nicht vernetzter Mitfahrvermittlungen für Kurz- und/oder Langstreckenfahrten. Eine wachsende Zahl von heterogenen Mitfahrbörsen ist jedoch kontraproduktiv, solange sie durch die Verstreuung der räumlich benötigten „kritischen Masse“ (gleiche Zeit, gleiche Strecke) das Vermittlungspotential reduziert und der private Mitfahrmarkt zudem nicht ausreichend mit anderen Mobilitäts- und Informationsangeboten vernetzt wird. Notwendig wäre eine breite qualifizierte Vernetzung möglichst aller Vermittlungsangebote.

Hinzu kommt, dass es beim aktuellen Entwicklungsstand für die Medien schwierig ist, über die Vielzahl der Angebote und unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten zu informieren. Ein hoher Bekanntheitsgrad ist jedoch für alle Vermittlungsangebote zur Erreichung der kritischen Masse, als Voraussetzung für Vermittlungserfolge, sehr wichtig.

Als Folge der damaligen Entwicklung hat sich die Anzahl der Systeme bis heute in etwa halbiert. Hierbei sind leider auch einzelne technisch besonders innovative Angebote verschwunden. Seit 2011 vermehrt hinzugekommen sind neue App-Angebote für eine interne Suche in Unternehmen oder Verwaltungen (sogenannte Inselsysteme), lokale bzw. regionale Angebote für ländliche Räume und zum Teil analoge Angebote wie Mitfahrbänke oder die Mitfahrscheibe. Außerdem gibt es noch einige internationale App-Angebote, mit – auf Grund der allgemeinen Problemstellung – eher geringem Vermittlungspotential.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes (2009-2011) des Forschungsprogramm Stadtverkehr (FoPS) wurde als Lösungsansatz eine Vernetzung möglichst aller Mitfahrvermittlungen über ein Metaportal zur Verbesserung der Effizienz und des Potenzials von Mitfahrvermittlungen empfohlen, auf dessen Ergebnissen, als Basis, das aktuelle Projekt „MetaMitfahrPort“ aufbaut. Die im Rahmen des FoPS Projektes anvisierte Initiierung eines Dachverbandes der Mitfahrvermittlungen zum Betrieb eines Metaportals konnte damals auf Grund der Konkurrenzsituation im Mitfahrmarkt nicht erreicht werden und soll jetzt durch die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft (AG) mit einer deutlich breiteren Basis, ermöglicht werden. Auch andere Initiativen und Institutionen, die das Ziel haben private PKW Fahrgemeinschaften zu fördern (Mitfahrbänke, Mitfahrscheibe, Mitfahrparkplätze, Informations- und Vernetzungsangebote, Forschung), arbeiten bisher nur teilweise zusammen und könnten von einer Beteiligung an der geplanten AG profitieren.

VORTEILE / BEDARF / POTENTIAL 
Fahrgemeinschaften haben für ihre Nutzer sowie allgemein für den Verkehrsbereich als auch insgesamt für die Gesellschaft vielfältige Vorteile. Wesentliche Motivationen, heute PKW Fahrgemeinschaften zu bilden, sind die deutliche Verringerung der Mobilitätskosten, die Reduzierung von Stress als Mitfahrer und verstärkt soziale Aspekte. Für Staat bzw. die Kommunen steht neben der Erweiterung des Mobilitätsangebots, der Verkehrsvermeidung und der damit verbundenen Verringerung des Parkraumdrucks in Städten der positive Beitrag zur Gesundheits-, Klima- und Umweltentlastung im Vordergrund.
Es überrascht daher nicht, dass das Interesse, Fahrgemeinschaften zu bilden, besonders vor dem Hintergrund weiter gestiegener Pendlerzahlen, zunehmender Staus, tendenziell steigender Treibstoffkosten und veränderter Raumstrukturen in den letzten drei Jahrzehnten allgemein zugenommen hat.

Laut BMUB forsa-Studie 2016 nutzen 70% für ihre Wege im Alltag täglich oder mehrmals in der Woche das Auto, und ein großer Teil kann sich mittlerweile einen Umstieg auf umweltfreundliche Alternativen vorstellen. Hierzu gehören auch Mitfahrgemeinschaften. Wie bereit die Menschen sind, vom Auto auf andere Verkehrsmittel zu wechseln, unterscheidet sich nach der Herkunft bzw. dem Wohnort (städtische und ländliche Räume). So ist die Bereitschaft Fahrgemeinschaften zu nutzen, in ländlichen Gemeinden/Städten unter 20.000 Einwohnern mit 49% deutlich höher als in städtischen Räumen mit 20.000 -100.000 Einwohnern und über 100.000 Einwohnern mit je 38%. Weiter ergab die Befragung, dass sich Frauen (46%) dies eher vorstellen können als Männer (40%), Jüngere (bis 19J 81%, 20J bis 29J 68%) deutlich eher als Ältere (50-59J 41%, 60-69J 28%) und Menschen mit geringerem Einkommen (bis 1000€ 68%) eher als Menschen mit höherem Einkommen (3000-4000€ 40%).

Schaut man sich jedoch die Entwicklung des PKW-Besetzungsgrades (1,5 bzw. 1,1 im Berufsverkehr Personen/PKW) oder die Nutzung von privaten Fahrgemeinschaften (MID 2002/2008/2017-Anteil Wege: 16%/15%/14%) an, so sind deren Zahlen seit Jahren rückläufig.

Die Motivation für das jetzige Projekt basiert auf eine „Umfrage zum Einbruch des Mitfahrmarktes“ einer Mitfahrvermittlung im Herbst 2016. Die Rückmeldungen der Nutzer dokumentierten im Wesentlichen Ratlosigkeit über die Abnahme der Anzahl der Mitfahrangebote und -gesuche in den verschiedenen Vermittlungsangeboten. 

Online-Mitfahrzentralen werden in Deutschland im europäischen Vergleich selten genutzt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche 2019 im September mitgeteilt hat. Demnach „buchten 2018 nur 2% der 16- bis 74-Jährigen private Mitfahrangebote über spezialisierte Websites oder Apps. In anderen Staaten der Europäischen Union (EU) ist das Buchen privater Mitfahrgelegenheiten über das Internet weitaus stärker verbreitet. Estland liegt mit großem Abstand vorne: 2018 nutzten dort 22% der Bevölkerung private Fahrdienste. Der EU-Durchschnitt lag bei 6%.“

Zwischen-Resümee: Die Zahlen zeigen eine grundsätzlich ausreichende Bereitschaft Fahrgemeinschaften zu bilden. Die zentrale Ursache für die geringe Nutzung von Fahrgemeinschaften ist die Vielfalt nicht oder nur zum Teil vernetzter Vermittlungssysteme und die daraus resultierende Intransparenz des Mitfahrmarktes, welche zur Ermüdung der Nutzer/innen und zur Reduzierung der Inserate geführt hat. Wer über einen längeren Zeitraum in unterschiedlichen Systemen ohne Erfolg gesucht hat, gibt irgendwann auf. Daher wird eine zentrale Aufgabe des begleitenden Marketings beim Betrieb des Metaportals sein, diesen Zusammenhang zu erläutern. Zudem sollte durch gezielte Kooperationen von Kommunen, Unternehmen und Institutionen mit Mitfahrvermittlungen und Initiativen die Nutzung von Fahrgemeinschaften, bzw. konkret die vermehrte Einstellung von Mitfahrangeboten und -gesuchen, unterstützt werden.

KONFIGURATION: AUSRICHTUNG DER ARBEITSGEMEINSCHAFT 
Das Projekt „MetaMitfahrPort“ fußt einerseits auf den Erfahrungen einer kommunalen Arbeitsgemeinschaft (AG der Pendlerserviceregionen – Ziel: private Pendler-Fahrgemeinschaften durch Vermittlungsangebote und Werbung zu fördern), und andererseits, wie oben dargestellt, auf den Ergebnissen eines Forschungsprojektes im Rahmen des Forschungsprogramm Stadtverkehr (FoPS) und den Rückmeldungen von Mitfahrvermittlungen während der Umsetzung.
Die im Rahmen des FoPS Projektes anvisierte Initiierung eines Dachverbandes der Mitfahrvermittlungen zum Betrieb eines Metaportals konnte damals auf Grund der Konkurrenzsituation im Mitfahrmarkt nicht erreicht werden und soll jetzt durch die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft (AG) mit einer deutlich breiteren Basis, ermöglicht werden.

An der geplanten AG sollen sich neben den Betreibern von Mitfahrvermittlungen auch Initiativen zur Förderung des Mitfahrens (Mitfahrbänke, Mitfahrscheibe, Mitfahrparkplätze, Information/Vernetzung), Verbände, Kommunen, Institutionen und Förderer beteiligen können. Auch die Nutzer des geplanten Metaportals können an der Entwicklung und Finanzierung mitwirken. Die geplante AG soll neben der Umsetzung und dem Betrieb des Metaportals (inklusive Marketing) auch die Fortentwicklung und multimodale Vernetzung (Open Data) der Mitfahrvermittlung und den Dialog zwischen Betreibern und Nutzern unterstützen. Außerdem soll zur Stabilisierung und Wiederbelebung des Mitfahrmarktes die Erhaltung und Stabilisierung bestehender Strukturen und die Bildung von neuen Strukturen und Kooperationen z.B. zwischen Kommunen, Unternehmen und Institutionen mit Mitfahrvermittlungen und Initiativen unterstützt werden.
Durch das gemeinsame Engagement soll die rückläufige Anzahl an Mitfahrangeboten und -gesuchen in den verschiedenen Vermittlungsangeboten wieder deutlich erhöht werden.

Des Weiteren soll die AG den Fachdialog verschiedener Akteure zur Entwicklung von Anreizen und Maßnahmen zur Förderung privater PKW-Fahrgemeinschaften unterstützen. Auch hier ist das zentrale Ziel, durch Dialog, Kommunikation und Bera-tung eine Verbesserung der Transparenz des Mitfahrmarktes zu erreichen und hier-durch eine Nutzungsausweitung privater PKW-Fahrgemeinschaften.

B. AUF DEM WEG ZU METAPORTAL UND AG
Das Projekt „MetaMitfahrPort“ erstellt aktuell eine Machbarkeitsstudie zur Realisierung des Metaportals. Hierzu gehört unter anderem die Initiierung einer Arbeitsgemeinschaft, die das Metaportal betreiben und die Nutzungsausweitung privater PKW-Fahrgemeinschaften fördern soll. Aktuell beschäftigt sich die Projektgruppe mit der Erfassung und Untersuchung des Mitfahrmarktes und der Ansprache unterschiedlicher Akteure. Zudem werden parallel mit verschiedenen Mitfahrvermittlungen Möglichkeiten der Vernetzung über eine Schnittstelle und ein Open Data Ansatz diskutiert. Kooperationspartner und weitere Akteure werden angesprochen, um ein gemeinsames Konzept für die AG zu entwickeln und umzusetzen. Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie ist ein Umsetzungskatalog, der die Anforderungen der Mitfahrvermittlungen an die Schnittstelle des Metaportals sowie den Rahmen der Zusammenarbeit beschreibt als auch deren Bereitschaft zur Beteiligung dokumentiert und auf dieser Basis eine Kosten- und Finanzierungsabschätzung für die Erstellung und den Betrieb des Metaportals als Mitfahrmarkt ermöglicht. Außerdem enthält der Katalog, als Ergebnis des Dialogs mit den verschiedenen Akteuren, der Tagung und der Rückmeldungen aus den Verbänden und Institutionen, ein Grobkonzept für das begleitende Marketing.

Die so vorbereitete Anschlussphase im Projekt bezieht sich dann auf die faktische Erstellung, den Test und den Betrieb des Metaportals sowie die Abstimmung, Entwicklung und die Umsetzung des begleitenden Marketings. Das Marketing soll hierbei auch allgemein die Nutzung von Fahrgemeinschaften sowie die Vielfalt der Angebote des Mitfahrmarktes (Gattungsmarketing) als auch das Metaportal als zentrales Suchportal bewerben. Auf Basis der aktuell laufenden Untersuchung des Mitfahrmarktes wird empfohlen, auch weitere Initiativen z.B. zur Einrichtung von Mitfahrbänken oder Mitfahrscheiben anzusprechen. Außerdem wurden bereits Mitfahrvermittlungen in der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Liechtenstein erfasst und kontaktiert, deren Angebote auch in Deutschland genutzt werden. Auch diese Betreiber sollten sich an der AG beteiligen können.

Die Machbarkeitsstudie soll zudem ausgedehnt und genutzt werden, um App-Angebote mit neuen „Insellösungen“ (zur internen Mitfahrvermittlung in Unternehmen), grenzüberschreitende Angebote und neue MitfahrInitiativen mit in die Entwicklung des Metaportals und der Arbeitsgemeinschaft einbeziehen zu können. Die Betreiber der „Insellösungen“ könnten einen öffentlichen Bereich in die eigentlich geschlossenen Unternehmenslösungen integrieren und so ermöglichen, dass Interessierte, die im Unternehmen keine Angebote/Gesuche gefunden haben, über das Metaportal vermittelt werden könnten. Des Weiteren – das ist für die Weiterarbeit zu berücksichtigen – muss laut der aktuell gültigen Anforderung der mFUND-Projektförderung für die Anschlussphase ein Eigenanteil von 25 Prozent der Projektausgaben erbracht werden. Die bisher projektunterstützenden Verbände und Akteure werden, nach dem aktuellen Stand der Gespräche, diesen Anteil nicht erbringen, können sich jedoch vorstellen, einen geringen Mitgliedsbeitrag zu leisten. Daher sollen parallel zur Entwicklung der Arbeitsgemeinschaft Förderer gefunden und als Mitglieder der AG gewonnen werden.

C. ORGANISATION UND FINANZIERUNG:
ARBEITSGEMEINSCHAFT ZUR FÖRDERUNG PRIVATER PKW-FAHRGEMEINSCHAFTEN (AGpF, Arbeitstitel)

Vorgeschlagen wird die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft (AGpF) der am Thema Interessierten. Sie kann beim Schlussworkshop von Phase 1  grundsätzlich ins Leben gerufen werden. Sie ist, was bei der Struktur der Beteiligten ansonsten zu sehr langen Vorlaufzeiten und Komplikationen führen würde, (zunächst) keine eigene juristische Person (e.V., gGmbH, GbR, GmbH).

Es handelt sich vielmehr (zunächst) um den Zusammenschluss von Interessierten unter der Federführung eines rechtsfähigen AG-Managements (z. B. eines der Projektpartner oder eines der anderen Mitglieder). Ein erfolgreiches Beispiel für eine solche Konstruktion liefert bei der TAT gGmbH die „Bundesweite Arbeitsgemeinschaft Umweltschonende Schmier- und Verfahrensstoffe – AG BioÖl“ mit Geschäftsstelle TAT gGmbH, die auf dieser Basis seit 30 Jahren erfolgreich arbeitet. https://www.tat-zentrum.di/ag-biooel.html

Ob die Arbeitsgemeinschaft (später) eine eigene Rechtsperson sein wird oder (weiterhin) eine Arbeitsgemeinschaft mit einer Geschäftsstelle (die dann die Rechtsperson ist, z. B. GmbH oder gGmbH), wird der Entscheidung der Mitglieder zu überlassen sein.

Anmerkung: Ergänzte und gekürzte Version des Entwurfs vom Juli 2019 

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